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In der Diskussion um einen 70cm Bandplan zeigt sich einmal wieder, dass einige DARC-Funktionäre oder solche, die es zu glauben scheinen, immer noch der aberwitzigen Idee hinterher laufen, der DARC möge doch bitte hoheitliche Aufgaben bei der Verteilung des HF-Spektrums wahrnehmen. So maßen sich diese Vereinsvertreter an, allen Funkamateuren verbindlich vorschreiben zu wollen, wer was wann wo in welcher Betriebsart qrv sein darf oder nicht. Dabei sind die, uns Funkamateuren zur Verfügung stehende Frequenzbereiche so leer wie nie zu vor. Allein in Berlin sind zahllose Relaisfunkstellen in Betrieb, auf denen Tag und Nacht nichts und niemand zu hören (bzw. zu sehen) ist. Die Frage stellt sich also: wer oder was soll hier eigentlich reglementiert werden?!

Aus Sicht derjenigen Funkamateure, die mit großem Elan dem Funkverkehr über Satelliten frönen (ich bin einer von denen), ist die Furcht verständlich, dass die zumeist nur schwachen Signale aus dem Weltraum möglicherweise im lokalen Getöse der Stadt untergehen. Und sicher ist ein 2MHz breites (D)ATV-Signal in wenigen Kilometern Entfernung einer Satelliten-Amateurfunkstation störend, wenn es denn genau in dem Bereich abgestrahlt wird, in dem die Satellitensignale empfangen werden sollen. Nur ist dies ein Nicht-Problem:

Jede ATV-Relaisfunkstelle hat eine Auflage in der Zuteilung, in der schon vorhandene Amateurfunkdienste auf der zugeteilten Frequenz nicht gestört werden dürfen. Der Betreiber eines ATV-Relais MUSS also daran interessiert sein mit seinen Funknachbarn zu einer einvernehmlichen Vereinbarung zu kommen, die den Betrieb beider Stationen ermöglicht. Alles andere wäre zu seinem eigenen Nachteil. Es ist also vollkommen widersinning zu behaupten, eine solche Einigung klappe nicht; wenn sie nicht klappt, haben die ATV-Stationen eh das Nachsehen. Wie ist also der Handlungsbedarf dann begründet?

Bei der BNetzA sind im Übrigen keinerlei Kollisionen zwischen ATV-Stationen und Satellitennutzern dokumentiert; selbst die AMSAT-DL kann auf Nachfrage nur Befürchtungen äußern, konkrete Fälle weiß die Interessensvertretung der Satelliten-Funker nicht zu benennen.

Auf der anderen Seite läßt die AMSAT jedoch zu, dass Satelliten Amateurfunkfrequenzen belegen, die überhaupt keine Amateurfunknutzlasten tragen, schlimmer noch, die eingestandenermaßen kommerziellen Erprobungen dienen, von denen die Amateurfunkgemeinde nichts hat außer Ärger. Früher nannte man so etwas "Schwarzfunken", heute brüsten sich Amateurfunkverbände wie die ÖVSV mit Schwarzfunkaktivitäten im 70cm Amateurfunkband und verkaufen diese noch mit großem Tamtam auf der HAM RADIO.

Ich hoffe, dass es klar wird, dass die Funkamateure, die ATV betreiben, am wenigstens daran interessiert sind, Kollisionen mit anderen, in meinen Augen gleichberechtigen Funkdiensten zu provozieren oder gar gutzuheißen. Also, liebe Möchtegern-Vereins-Beamte, kommt endlich runter und widmet Euch wieder den eigentlichen Zielen des Amateurfunks, nämlich dem Ausprobieren und Experimentieren. Und sollte es irgendwo mal knirschen, dann erinnert Euch daran, dass wir Funkamateure Kommunikation auf unsere Fahne geschrieben haben, zur Völkerverständigung - sicher - aber auch in den eigenen Reihen!

Einen Gruß in die Welt,

 

Jörg, DF3EI